„Die Bismillah auf Kants Doktorurkunde“

von Birol Kilic

Die Erinnerung zum 300ten  Geburtstag ( geb. 1724) des preußischen Philosophen werden wir auch in Wien mit der Neue Welt  Verlag mit mehreren Büchern feiern. Im Jahre 2024 zum 300ten  Geburtstag wird Immanuel Kant nicht nur in Deutschland sondern in Österreich und auch in der Welt noch wichtiger und  erwartet noch mehr entdeckt zu werden…

Michael Blume (christl. Vorsitzender, Christlich-Islamische Gesellschaft Region Stuttgart e.V.) schreibt z. B folgendes:

…. „Als aktuell publikumswirksamer als Kants wegweisenden Beiträge zur Erkenntnistheorie und Ethik haben sich dabei die Hinweise darauf erwiesen, dass sich bereits Kant ausführlich mit einer Weltfriedensordnung auseinandergesetzt, einen „Völkerbund“ eingefordert und Angriffskriege abgelehnt habe.

Der knorrige Königsberger – ein Verbündeter der UNO und der Friedensbewegung im Protest gegen den Irakkrieg der USA? Ganz so leicht ist es –wie bei Kant üblich- nicht.

Denn sein Völkerbund setzt sich eben ausdrücklich aus „Republiken“; es ist die demokratische Staatsform, die seiner Meinung nach dem Krieg der Völker entgegenstünde – denn dieser läge nicht im Interesse der meisten Menschen und werde daher von diesen abgelehnt.


Nicht einfach ein Völkerbund, sondern ein solcher aus Demokratien gehört damit zu Kants Grundpfeilern der Weltfriedensordnung. Und damit ist er tatsächlich sehr viel differenzierter mitten in den Diskussionen unserer Zeit angelangt, in denen sich viele Menschen ernsthaft fragen, ob und wie ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen, Anders- und Nichtglaubenden möglich ist oder ob „der Islam“ nicht mindestens als demokratiefeindlich, fremd und gefährlich einzustufen sei. Auch zu diesem Thema weiß der große Philosoph jedoch Unerwartetes beizusteuern –so seine Doktorurkunde. Dieses Dokument des 18.Jahrhunderts, feierlich ausgestellt im Namen Friedrichs des Großen, wird durch die „Basmala“ geziert: die arabisch-islamische Anrufung Gottes (Allahs), des Allerbarmers wie : Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes … (Siehe dazu beispielsweise auch: „Immanuel Kant und die „Basmala“. Eine Studie zu orientalischer Philologie und Typographie in Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert. In: Zeitschrift für arabische Linguistik 25 (1993) 108-131) Zu großer Prominenz hat es diese Basmallah leider bisher nicht gebracht, obwohl sie doch durchaus ein kleiner Hinweis an all jene sein könnte, die immer noch oder wieder ernsthaft meinen, zwischen „Europa“ und der „islamischen Welt“ habe es seit jeher nur tiefe Gräben und nie eine wirkliche, gegenseitige Befruchtung und Beeinflussung gegeben und sie schlössen einander kategorisch aus.

So schicken wir heute, zum 200ten Todestag, Kants Doktorurkunde noch einmal auf die Internetreise – und hoffen, dass vielleicht mancher Lust bekommt, etwas mehr nachzuforschen. Die einen mögen Erörterungen über die muslimischen Soldaten in den Diensten Preußens (einschließlich eines gestanden Heeresimams) bevorzugen, andere Professor Kuschels wundervolles Werk über den Einfluss des Islam auf die deutsche Literatur und Geistesgeschichte („Vom Streit zum Wettstreit der Religionen – Lessing und die Herausforderung des Islam“, K.-J. Kuschel, Patmos 1998), wieder andere die unglaubliche Breite der Prägung der deutschen Sprache („Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft.“, N. Osman, Beck 1997); die Begegnung von Religionen und Kulturen läuft sicherlich selten ohne Probleme und Herausforderungen ab, sie beinhaltet aber auch immer große Chancen. Und sie gehört fest zu den Wurzeln unserer heutigen deutschen und europäischen Kultur – wer also immer „Leitkulturen“ propagieren mag, möge sich auch selbst an diesen orientieren. (-; In diesem Sinne freuen wir uns, wenn Sie dieses Dokument kräftig weiterleiten oder auf unsere Homepage (www.cigstuttgart.de) hinweisen und grüßen herzlich alle Menschen, die sich die Angst vor dem Fremden und Anderen als Teil des Problems, und nicht der Lösung, erkennen.“Friede sei mit Ihnen und gehe von Ihnen aus!“

Vielen herzlichen Dank Herr Michael Blume!

 

 

Neues Buch: Kant kocht türkisch

Kants Wanderung über das Nebelmeer„Die wahre Entstehungsgeschichte der Kritik der Vernunft im Spiegel der Bilderwelt C.D. Friedrichs“

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