GESUND türkisch kochen – leicht gemacht

Gesundheitsministerium und Neue Heimat Zeitung Kooperieren mit einem Buch.

Das Yeni Vatan Gazetesi (Neue Heimat Zeitung) und EINSPRUCH Team nimmt zusammen mit Gesundheitsminister Alois Stöger in seinem Büro zu einem lockeren Interview zum Thema Ernährung und Gesundheitsprävention Platz. Der Grund für das Treffen ist die zweisprachige Rezeptbroschüre mit türkischen Gerichten, die das Bundesministerium für Gesundheit im September 2008 in Kooperation mit Yeni Vatan Gazetesi (Neue Heimat Zeitung) und AGES veröffentlicht hat. Ziel dieser Broschüre ist es, auf der einen Seite aufzuzeigen, dass zwischen „gesund“ und „lecker“ kein Widerspruch herrscht – im Gegenteil –, und auf der anderen Seite den Dialog der Kulturen weiter zu fördern. Bundesminister Alois Stöger sagt hierzu im Vorwort: „Es wurden für die Broschüre türkische Rezepte verwendet, die durch Austausch von Zutaten an die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse angepasst worden sind, und die auch die Vorlieben der türkischen Bevölkerung berücksichtigen.“ Der Minister freut sich beim Zusammentreffen über unser Gastgeschenk – über das weltberühmte handgemachte Porzellan aus der Stadt Kütahya in der Türkei.

In der heutigen Zeit von Fast-Food-Ketten und Würstel-Ständen ist Übergewicht schon längst ein ernstzunehmendes Problem geworden. „In unserer Umgebung hören wir tagtäglich von Todesfällen, deren Ursache die durch Übergewicht entstehenden Herz- und Kreislaufkrankheiten sind“. Oftmals wissen die Leute gar nicht, wie sie sich anders, gesünder, ernähren können.

Neue Heimat Zeitung: Sehr geehrter Herr Stöger, vielen herzlichen Dank, dass Sie sich für uns und unsere austro-türkischen und österreichischen Leser Zeit genommen haben. Es ist uns ein großes Anliegen, gerade in der heutigen Zeit der laufenden Veränderung, auch etwas im Bereich der Gesundheit für unsere Mitmenschen zu tun. Was können Sie uns über Ihre Arbeit als Gesundheitsminister erzählen?

Stöger: Zunächst ist es sehr wichtig, sich immer wieder mit neuen Themen auseinander zu setzen. Gerade im Bereich der Ernährung und auch Gesundheitsprävention muss heutzutage sehr viel für unsere Mitmenschen getan werden. Man muss den Zugang zu der Bevölkerung finden und sie dort erreichen, wo sie wirklich ist. Dies ist oft eine sehr schwierige Aufgabe und nicht immer mit einer einzigen Ansage im Fernsehen zu bewältigen.

Neue Heimat Zeitung: Vor einiger Zeit, im Jahre 2008, hat Yeni Vatan Gazetesi (Neue Heimat Zeitung) zusammen mit dem Gesundheitsministerium und AGES eine zweisprachige Broschüre mit türkischen Rezepten mit dem Ziel, ca. 80.000 Exemplare zu verbreiten, veröffentlicht. Wir wollten damit ja zeigen, dass zwischen „gesund“ und „lecker“ kein großer Widerspruch besteht und gleichzeitig den Dialog zwischen der türkischen und der österreichischen Kultur fördern. Wir haben damit viele Menschen erreicht und können sehr stolz auf dieses Projekt sein.

Stöger: (lacht) Ja, das ist ganz richtig. Auch mir wurden die Broschüren regelrecht aus der Hand gerissen, wie auch von meiner Frau in Oberösterreich, die selbst ab und zu nach diesen Rezepten kocht. Ich bin wirklich begeistert von diesem Projekt und halte es für sehr wichtig. Schließlich ist die Ernährung der Migranten in Österreich auch ein großes Thema und ein Fall für das Gesundheitsministerium. Diese zweisprachige Broschüre auf Deutsch und Türkisch ist natürlich auch für Österreicher gedacht, die gerne kalorienarm türkisch kochen wollen und sich auf diese Weise mit internationaler Küche gesund ernähren können. Wie ich bereits im Vorwort dieser Broschüre geschrieben habe, sind diese Gerichte den türkischen Vorlieben angepasst und entsprechen den ernährungsphysiologischen Anforderungen, da einzelne Zutaten ausgetauscht wurden. Man kann es also nur empfehlen. Und auch, dass Kochen nicht immer kostenintensiv und zeitaufwändig sein muss, zeigt nun die Broschüre „Gesund türkisch kochen – leicht gemacht“. Sie gibt einerseits Informationen zu grundlegenden Elementen der Ernährungswissenschaft, wie z.B. die Ernährungspyramide oder die wichtigsten Nährstoffe, die der menschliche Körper braucht, und andererseits enthält sie 37 leicht nachkochbare und gesunde Rezepte, die von Salaten und Suppen über kleinere und größere Hauptspeisen sowie Desserts reichen.

Neue Heimat Zeitung: Gesunde Ernährung kann oft sehr teuer sein. Wie kann man sich diese also leisten?

Stöger: Jedes Gericht enthält mindestens eine besonders günstige Zutat: Obst, Vollkornmehl, fettarme Milchprodukte oder verschiedene Nüsse, aber natürlich auch Gemüse und Getreide. Dadurch sind die Gerichte nicht nur kalorien- und fettarm, sondern liefern darüber hinaus auch noch viele wertvolle Inhaltsstoffe. Alle Gerichte kann man auch deshalb mit gutem Gewissen genießen, weil sie aufgrund ihrer Zusammensetzung einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur gesunden Ernährung darstellen. Ein wichtiges Anliegen der Broschüre ist es auch, die Verständigung der östlichen und westlichen Kulturen weiterhin zu fördern, weshalb man sich dafür entschieden hat, diese zweisprachig zu machen. Österreicher finden Anregungen zu türkischen Gerichten, die einmal eine Abwechslung zur gewohnten deftigen Hausmannskost darstellen, und Türken bekommen Informationen zu gesunder Ernährung und Lebensweise in türkischer Sprache.

Neue Heimat Zeitung: Essen Sie selbst auch gerne Gerichte aus der türkischen Küche?

Stöger: Liebend gerne. Ich bin begeistert von der ganzen türkischen Kultur. Deswegen bedanke ich mich auch noch einmal ganz herzlich für das nette Gastgeschenk. Allerdings esse ich am liebsten Türkisch, wenn ich selbst in der Türkei bin (lacht), dort schmeckt es einfach am Besten.

Neue Heimat Zeitung: Wann und wo waren Sie bereits in der Türkei?

Stöger: In Istanbul, allerdings leider viel zu kurz. Aber ich werde auf jeden Fall noch einmal in diese traumhafte Stadt reisen, sobald ich kann. Die Kirchen, die Kultur und die ganze Atmosphäre dort haben mich sehr beeindruckt.

Neue Heimat Zeitung: Man sagt ja „Beim Essen kommen die Leute zusammen!“ Wie denken Sie darüber, gerade im Bezug auf die Gewichtsprobleme, die auch in der austro-türkischen Community und unter Österreichern immer mehr zum Vorschein kommen und die für sehr viele Krankheiten die Türen öffnen und dann schließlich für das Gesundheitsministerium, für das Sie ja auch verantwortlich sind, ein Fall werden?

Stöger: Zunächst denke ich, dass die meisten Migrantengruppen einfach andere Essensgewohnheiten haben. Oft sind sie nicht gut genug informiert über medizinische oder gesundheitliche Dinge, meistens wenn sie nicht gut deutsch sprechen. Es ist äußerst wichtig, diese Menschen rechtzeitig zu informieren, zum Beispiel auch die Mütter und ihre Töchter, wenn es um dringende Vorsorgeuntersuchungen wie die Mammografie geht. Diese Probleme kann man, denke ich, mit Ethno-Marketing und gezielten Werbe- und Informationsmaßnahmen in den jeweiligen Muttersprachen lösen.

Neue Heimat Zeitung: Mittlerweile hat sich das Döner Kebap in Österreich und vor allem auch in Deutschland zu einem gefestigten Gericht entwickelt, das kaum noch wegzudenken ist. Allerdings hört man oft von Beschwerden aus der türkischen Gemeinde, da es keine Qualitätsnorm dafür gibt. Unser Verlag hat hier Pionierarbeit geleistet, indem er mit vielen kritischen und informativen Berichten seine Leser und besonders Kebap-Stand-Besitzer aufgeklärt hat. Viele fordern ein Gütesiegel. Wie denken Sie, kann man dieses Problem angehen? Wären Sie interessiert an einem Treffen mit Menschen aus der türkischen Gemeinde, die das Know-how haben für ein Diskussionsgespräch?

Stöger: Ich wäre nicht abgeneigt, ein Gespräch mit den betroffenen Leuten aus der türkischen Gemeinde zu führen und eventuell in einer Arbeitsgruppe einen Standard für das Döner Kebap zu „erarbeiten“. Man könnte eine Liste erstellen, auf welcher die Zutaten definiert werden, damit die Lebensmittelherkunft und somit auch Sicherheit dafür geboten wird. Die Frage wird sein, ob es dann eine „höhere“ Qualität gibt, denn ein Qualitätssiegel kann man auch privat vergeben. Wichtig wird sein, die Inhalte auf Büroebene zu klären und auch den Lebensmittelkodex einzuhalten.

Neue Heimat Zeitung: Nun würden wir noch gerne mit Ihnen über das Thema „Rauchen“ sprechen. Wir, die wir hier anwesend sind, sind alle Nichtraucher und empfinden es zum Beispiel als sehr störend, wenn in einem Restaurant beim Essen geraucht wird. Da ergreifen wir eher die Flucht. In der Türkei gibt es das Rauchverbot in geschlossenen Räumen, egal ob 10m2 oder 1000m2, nun schon seit über einem Jahr. Auch dort kam es zu großen Diskussionen, weil Rauchen eine Art Lebensgefühl ausdrückt. Vielleicht kennen Sie ja das Sprichwort „Rauchen wie ein Türke“? Wie wird es in Zukunft in Österreich aussehen? Man kann ja bereits in einigen Lokalen Ansätze sehen.

Stöger: Ab 1. Juli 2010 gilt ein neues Gesetz, dass in allen Lokalen über 50m2 getrennte Räume für Raucher und Nichtraucher eingerichtet werden müssen. Den Anspruch an den größeren Teil haben hier die Nichtraucher. Diejenigen Restaurants, die bis zu diesem Datum nicht die Voraussetzungen erfüllt haben, müssen damit rechnen, dass das gesamte Lokal als rauchfrei für den Staat gilt und infolgedessen dort nicht mehr geraucht werden darf. Das ist das Gesetz. Die Mehrheit der Bevölkerung möchte beim Essen und Trinken rauchfrei und ungestört sein, deshalb hat das Parlament diese Regelung festgelegt und wir als Gesundheitsministerium sind daran gebunden. Allerdings halten sich sehr viele Wirte nicht daran und sind mit dieser Lösung unzufrieden. Sie beklagen sich über Umsatzeinbußen.

Neue Heimat Zeitung: Haben Sie abschließend ein paar Tipps für unsere Leser und Leserinnen, wie man sich gesünder fühlen kann?

Stöger: An erster Stelle steht die gesündere Ernährung. Hier vor allem die fettarme Küche. Man sollte sich einfach bewusster ernähren und gerade den Kindern ein besseres Vorbild sein, damit auch sie im Alter keine gesundheitlichen Probleme bekommen. Natürlich spielt auch die Bewegung im Alltag eine große Rolle. Essen und Bewegung hängt immer zusammen. In jeder Kultur gibt es gesunde Speisen, man muss sie nur hervorheben. Die Kinder müssen richtig ernährt und, was sehr wichtig ist, es muss auch der Bewegung Raum geschaffen werden. Sonst wird das Kind aufgrund der schlechten Ernährung und der mangelnden Bewegung in der Schule keinen Erfolg haben, was sehr viele Eltern vernachlässigen. Deswegen muss geraden bei Kindern die Ernährung und Bewegung in den Griff bekommen werden.

Neue Heimat Zeitung: Vielen Dank Herr Stöger für dieses interessante Interview!

Stöger: Ich habe auch zu danken. Auf Wiedersehen!

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