Mauhausen: Gedenken an Mauthausen-Opfer

Befreiungsfeier des MKÖ mit tausenden, virtuellen ZuseherInnen aus der ganzen Welt.Delegationen aus zahlreichen Ländern haben am Sonntag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen gedacht. Der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich, Willi Mernyi, pochte auf die anhaltende Gültigkeit des Mauthausen-Schwurs, in dem der Aufbau einer gerechten freien Welt gelobt wird.

Die europaweit größte Internationale Befreiungsfeier, veranstaltet vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), fand aufgrund der Covid-19-Pandemie in Form eines Gedenkzugs mit reduzierter TeilnehmerInnen-Anzahl statt. Statt zehntausender Menschen, die sonst in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen zusammengetroffen wären, um den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken, waren tausenden ZuseherInnen aus  über 20 Ländern der Welt wie Österreich, Deutschland, aber auch Israel , Philippinen und USA virtuell von zuhause dabei. Die Feierlichkeiten wurden auf einem internationalen Stream auf www.mkoe.at wie auch auf ORF III übertragen. Gemeinsam gedachten sie der Befreiung des KZ Mauthausen vor 76 Jahren und dessen Opfer. Das diesjährige Schwerpunktthema „Vernichtete Vielfalt“ erinnerte an die vielfältigen Opfergruppen, die die Nationalsozialisten verfolgt, interniert und ermordet haben.
Dieses Jahr stand der Festakt unter dem Thema „Vernichtete Vielfalt“. Der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer prangerte in einem Gottesdienst antisemitische Vorfälle an.

MAUTHAUSEN. Zwischen 1938 und 1945 waren in Mauthausen und seinen 49 Nebenlagern rund 200.000 Menschen aus mehr als 70 Nationen interniert, knapp die Hälfte von ihnen wurde ermordet oder starb in Folge der grausamen Haftbedingungen. Seit Kriegsende wird der Befreiung des KZ in den ersten Maitagen 1945 durch US-Truppen jedes Jahr gedacht. Zur größten KZ-Befreiungsfeier weltweit kommen üblicherweise Tausende Gäste aus aller Welt, darunter auch – mittlerweile hochbetagte – Überlebende des Todeslagers.

Live Übertragung

Coronavirus-bedingt fielen die Feierlichkeiten anlässlich der 76. Wiederkehr der Befreiung heuer weniger umfangreich aus als üblich. Nur vergleichsweise kleine Delegationen legten vor Ort Kränze nieder. Dafür wurde die Veranstaltung – wie bereits im Vorjahr, als nicht einmal das an Präsenz möglich war – live im Internet übertragen, ebenso auf ORF III. In Videos, in denen Zeitzeugen und Überlebende zu Wort kamen, wurde den einzelnen Opfergruppen gedacht – unter ihnen Jüdinnen und Juden ebenso wie Roma und Sinti, Zeugen Jehovas, Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung oder politische Gefangene, sogenannte „Schutzhäftlinge“.

Das offizielle Österreich repräsentierten die Grünen Regierungsmitglieder Vizekanzler Werner Kogler, Klimaministerin Leonore Gewessler und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein sowie Vertreter der Landespolitik. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und LH Thomas Stelzer (ÖVP) hatten bereits am Freitag einen Kranz in der Gedenkstätte niedergelegt, ebenso Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schrieb Sonntagnachmittag auf Twitter: „Auch 76 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen dürfen wir diese dunkle Seite unserer Geschichte niemals vergessen!“

Mauthausen Schwur in mehreren Sprachen

Zu Beginn wurde in mehreren Sprache der Mauthausen-Schwur verlesen, in dem es u.a. heißt: „Wir werden einen gemeinsamen Weg beschreiten, den Weg der unteilbaren Freiheit aller Völker, den Weg der gegenseitigen Achtung, den Weg der Zusammenarbeit am großen Werk des Aufbaues einer neuen, für alle gerechten, freien Welt. Wir werden immer gedenken, mit welch großen blutigen Opfern aller Nationen diese neue Welt erkämpft wurde.“

„Der Mauthausen-Schwur ist kein Schwur aus einer vergangenen Zeit“, sagte Mernyi , „keine Idee, die man nicht erreichen kann“, sondern er sei „eine Verpflichtung“ und „ein ganz konkreter Auftrag, nicht an irgendwen – an uns“. Solange es Ungerechtigkeit gebe, „solange es nicht die gleiche Achtung gibt für alle Menschen, gilt diese Schwur“. Er hofft, dass die Befreiungsfeier, die vom Mauthausen Komitee Österreich in Zusammenarbeit mit dem Comité International de Mauthausen und der Österreichischen Lagergemeinschaft ausgerichtet wird, 2022 am 15. Mai stattfinden werde „ohne Pandemie-Beschränkung und mit großer Teilnehmerzahl“.

Gedenken im kleinen Rahmen

Das Gedenken an den einzelnen Denkmälern war heuer nur in kleinem Rahmen und individuell möglich. Vor der offiziellen Befreiungsfeier wurde allerdings in der Kapelle der Gedenkstätte ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer kritisierte dabei antisemitische Vorfälle: „Wir beklagen und verurteilen in dieser Stunde die Angriffe auf Synagogen in den vergangenen Tagen“ sowie „alle Vorfälle des Antisemitismus in den vergangenen Wochen und Monaten, besonders auch jene, durch die das Leid der Opfer von Mauthausen verhöhnt und das Gedenken bei der Befreiungsfeier entwürdigt wurde“, so Scheuer. Und: „Wir beklagen die Gewalt und die Toten im Heiligen Land und beten um Frieden in Israel.“

Der orthodoxe Erzpriester Alexander Lapin prangerte „Hass, Gewalt, Verachtung und Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen oder ganzen Völkern“ an. Nur allzu oft meine der Mensch selbst Gott zu sein. „Wir sind nicht Gott. Wir sind nicht diejenigen, die sich die Welt und die Menschen nach ihrem Bilde formen dürfen. Denn dann vergewaltigen wir die Menschen und die Welt“, mahnte auch der evangelische Superintendent Gerold Lehner.

Ehrung für Zeitzeugin

Eine besondere Ehrung gab es vor der Feier für Zeitzeugin Anna Hackl: Sie bekam vom russischen Botschafter Dmitri Ljubinski den Tapferkeitsorden der Russischen Föderation überreicht – stellvertretend für ihre verstorbene Mutter Maria Langthaler. Die Familie hatte im Zuge der sogenannten „Mühlviertler Menschenhatz“ – einer brutalen Verfolgungsjagd nach einem Großausbruch aus dem KZ im Februar 1945 – zwei sowjetische Gefangene versteckt und ihnen so das Leben gerettet.  (Mauthausen.Kom.-ooe.ORF.at/Agenturen)

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