Türkei: Kirchen unterstützen vorbehaltlos EU-Beitritt

Patriarch Bartholomaios I. und Spitzenvertreter der Kirchen in der Türkei positionieren sich pro-EU und fordern mehr Rechte für ihre Kirchen.

Istanbul-Alle einheimischen christlichen Kirchen  unterstützen einen EU-Beitritt der Türkei. Das wurde auf einer internationalen Tagung der Stiftung “Pro Oriente” in Istanbul  deutlich. Sowohl der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., wie  auch der armenische Erzbischof Aram Atesyan und der  syrisch-orthodoxe Metropolit Yusuf Cetin von Istanbul sprachen sich  eindeutig für einen Beitritt aus. Eine bessere Etablierung der  Menschenrechte und im besonderen auch der Religionsfreiheit würde  nicht nur den Minderheiten im Land sondern allen Bürgern zugute kommen, sagte Patriarch Bartholomaios I. Es brauche eine neue  Definition der Beziehungen zwischen Staat und  Religionsgemeinschaften auf der Basis der Religions-freiheit. Erzbischof Aram Atesyan und Metropolit Cetin zeigten sich  unglücklich darüber, als Minderheit in der Türkei bezeichnet zu werden.

Die armenischen wie auch die syrischen Christen würden seit  jeher in der Türkei leben, viel länger als die Muslime. Er wolle  sich daher auch nicht für Minderheitenrechte aussprechen, so  Atesyan, sondern schlicht für die Gleichheit aller türkischen  Bürger. Und Metropolit Cetin fügte hinzu: “Wir haben eine  5.500-jährige Geschichte hier. Unsere Kirche ist auf dem Boden der  Türkei gegründet worden.”

Auch der syrisch-orthodoxe Metropolit Cetin forderte mehr Rechte für  seine Kirche. So gebe es beispielsweise in Istanbul für die  Gläubigen nur eine Kirche, die im Stadtteil Tarlabasi in Beyoglu  liegt. Aus diesem Grund nutze die Gemeinde Kirchen anderer  Konfessionen, wie die katholische Kirche Saint Etienne im  europäischen Teil der Metropole im Stadtteil Yesilköy. Man wolle  eine aber eine zweite eigene Kirche bauen, das würden die Behörden  aber nicht zulassen. Cetin: “Muslime haben in Europa das Recht zum  Bau von Moscheen. Wir jedoch können in unserem Land keine Kirchen  bauen.” Der türkische Staat erkennt nur die griechisch-orthodoxe Kirche, die  Armenier und das Judentum als religiöse Minderheiten an, denen er –  allerdings auch nur beschränkt – Rechte wie eigene Schulen einräumt.

Die syrisch-orthodoxe Kirche wie auch die katholische und andere  Kirchen werden aufgrund einer umstrittenen Auslegung des  Friedensvertrags von Lausanne von 1923 nicht als Institutionen  anerkannt. Derzeit leben in der Türkei noch 13.000 syrisch-orthodoxe  Christen. Davon 10.000 in Istanbul und 3.000 im Südosten des Landes,  im Tur Abdin. (KAP)

yenivatan.at

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