Vier Magister und ein Doktorat in vier Jahren

Rekord des austrotürkischen Unternehmers aus Innsbruck

Die Österreicher kennen ihn als Kurt Adam. Eigentlich heißt er Ayhan Kadioglu. Er hat seinen Namen geändert, nachdem er österreichischer Staatsbürger wurde. Sein Name Kurt Adam (was auf Türkisch Werwolf heißt) ist aber nicht das Besondere an ihm. Der 46 jährige Austrotürke Ayhan Kadioglu a.k.a. Kurt Adam hat als Kleinunternehmer in Innsbruck innerhalb von 4 Jahren 5 Diplomstudien an der Universität Innsbruck mit Erfolg abgeschlossen. Mit dem Studium hat er mit 41 angefangen und mit 46 hat er bereits den Titel Dr.Mag.rer.soc.oec Mag.rer.soc.oec Mag.rer.soc.oec Mag.rer.soc.oec. Wir haben mit Herrn Kurt Adam ein Gespräch geführt, sein Leben und seine Erfolgsgeschichte hat uns vollkommen fasziniert.

Neue Heimat Zeitung: Herr Kadioglu. Nachdem wir von Ihrem Erfolg gehört haben, konnten wir es kaum glauben. Wir wollten unbedingt ein Interview mit Ihnen machen. Zuerst möchten wir Sie aber näher kennen lernen. Seit wann leben Sie in Österreich?

Kurt Adam: Als ich das erste Mal hierher gekommen bin, war das noch 1982. Meine Eltern lebten eigentlich schon seit 1971 in Innsbruck. Ich war aber in der Türkei.

Neue Heimat Zeitung: Wo in der Türkei hatten Sie gelebt?

Kurt Adam: Wir sind eine Familie aus Of (eine Stadt in der Provinz Trabzon). Ich lebte in Of. Meine Eltern arbeiteten beide in Österreich. Ich ging damals noch in die Schule in Trabzon. Das Gymnasium habe ich dort beendet und war später auch erfolgreich bei der Universitätsaufnahmeprüfung.

Neue Heimat Zeitung: Haben Sie auch in der Türkei an der Uni studiert?

Kurt Adam: Leider nicht. Nachdem ich das Gymnasium beendet hatte, wurde ich an der Technischen Universität Karadeniz für ein Medizinstudium aufgenommen. Aber gerade zu dieser Zeit hatte ich gesundheitliche Probleme. Eine Infektion im Innenohr. Damals gab es in Trabzon noch keine HNO-Spezialisten. Deswegen konnte ich nicht behandelt werden. Dann haben mich meine Eltern nach Österreich eingeladen, um in Österreich operiert zu werden. Das war der erste Anlass. Seitdem lebe ich in Österreich.

Dr.Mag.rer.soc.oec Mag.rer.soc.oec Mag. rer.soc.oec Mag.rer.soc.oec. Kurt Adam” früher “Ayhan Kadioglu”

Neue Heimat Zeitung: Und nachdem Sie in Österreich waren, haben Sie sich bei Ihren Eltern niedergelassen?

Kurt Adam: Ja. Ich fing an, mit meiner Familie gemeinsam in Innsbruck zu leben. Nachdem mein Vater seine Arbeit verloren hatte, kehrte er zurück in die Türkei. Ich bin geblieben. Zu dieser Zeit war es für mich hart zu überleben. In den 80er Jahren, als ich zum ersten Mal hierher gekommen bin, habe ich in vielen Jobs gearbeitet. Ich war Abwäscher. Ich habe viel Geschirr gespült. Dann war ich im Gastronomiebereich tätig. In diesen harten Zeiten war es ganz schwierig, eine Arbeitsbewilligung auf Dauer zu bekommen. Nachdem es so mühsam war, eine Arbeitsbewilligung zu kriegen, habe ich mich entschieden, selbständig arbeitstätig zu sein. Ich habe mein eigenes Unternehmen eröffnet. Eine Pizzeria namens Gernelli. Dann habe ich auch geheiratet.

Neue Heimat Zeitung: Haben Sie auch Kinder?

Kurt Adam: Ich habe Zwillinge, die 8 Jahre alt sind, Bora und Berk. Ich habe auch eine kleine Tochter namens Emine. Jetzt haben wir noch ein Baby, sie ist erst 2,5 Monate alt.

Neue Heimat Zeitung: Und seit wann haben Sie diese Liebe zum Studieren?

Kurt Adam: Liebe zum Studieren hatte ich immer. Immer habe ich mir gewünscht, eine Uni zu absolvieren und ein Diplom zu haben. Leider entstanden aber die nötigen Gegebenheiten für ein Studium lange nicht. Erst als ich 41 Jahre alt war, hatte ich die Möglichkeit und dann habe ich mit meinem Studium an der Universität Innsbruck angefangen.

Neue Heimat Zeitung: In wie vielen Studienrichtungen haben Sie währenddessen studiert?

Neue Heimat Zeitung: In vier Jahren habe ich in 4 Studienrichtungen ein Magisterstudium abgeschlossen. In einer Studienrichtung habe ich dazu noch ein Doktorat gemacht.

Neue Heimat Zeitung: Das ist aber kaum zu fassen. Können Sie die jeweiligen Studienrichtungen nennen?

Kurt Adam: Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaft, Internationale Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsrecht und Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Bei Sozial- und Wirtschaftswissenschaften habe ich auch ein Doktorat gemacht.

Neue Heimat Zeitung: Innerhalb so kurzer Zeit so viele Studien abgeschlossen zu haben, das schafft nicht jeder. Könnte es sein, dass Sie genial begabt sind?

Kurt Adam: Ich glaube nicht. Ich denke, dass das eher an meiner Entschlossenheit liegt. Es ist sogar eine Sturheit. Ich hatte es schon seit langer Zeit im Kopf, diese Studien zu machen. Ich war entschlossen, stur, fleißig und ich habe es geschafft.

Neue Heimat Zeitung: Haben Sie etwa vor weiterzustudieren?

Kurt Adam: Natürlich. Ich will jetzt ein Doktorat beim Wirtschaftsrecht machen. Mit 1. Februar werde ich auch damit anfangen. Man sagt mir, es dauert mindestens 3 Jahre, bis man ein PhD macht. Ich glaube, dass ich es in höchstens 2 Jahren fertig machen werde.

Neue Heimat Zeitung: Wie viele akademische Titel werden Sie dadurch haben?

Kurt Adam: Auf meiner Visitenkarte steht jetzt Dr. Mag. Mag. Mag. Kurt Adam. Wenn ich mein nächstes Doktoratstudium auch schaffe, wird Dr. Mag. Mag. Dr. Mag Kurt Adam stehen.

Neue Heimat Zeitung: Entschuldigen Sie bitte, haben Sie gerade Kurt Adam gesagt?

Kurt Adam: Ja. Das ist mein deutscher Name.

Neue Heimat Zeitung: Wie meinen Sie das jetzt?

Kurt Adam: Als ich zum ersten Mal nach Österreich kam, habe ich gesehen, dass die Österreicher meinen Namen nicht richtig aussprechen können. Viele konnten Kadioglu nicht richtig aussprechen. Das hat mich ein bisschen gestört. Nachdem ich österreichischer Staatsbürger wurde, habe mir überlegt: “Ich will lieber einen guten österreichischen Namen.” Ich war dann auf der Suche nach einem Namen, der sowohl von Österreichern, als auch von den Türken leicht verstanden und ausgesprochen werden kann. Ich suchte potenzielle Namen im Telefonbuch. Da bemerkte ich zwei Namen, die es sowohl im Deutschen, als auch im Türkischen gibt. Kurt und Adam (Kurt: tr. Wolf, Adam: tr. Mann). Ich habe mich dann entschlossen und gesagt: “Ja, von nun an bin ich der Wolfmann, Kurt Adam.”

Neue Heimat Zeitung: Das ist eine ganz interessante Idee. Sie haben sich dann auch unter diesem Namen an der Uni eingeschrieben und auch absolviert.

Kurt Adam: Genau. Kurt Adam steht auch auf meinem Diplom.

Neue Heimat Zeitung: Und wie bewerten die Österreicher den Erfolg von Kurt Adam? Was sagen Ihre Professoren dazu?

Kurt Adam: Unser Rektor Karl Heinz Töchterle war durch meinen Erfolg stark beeindruckt und äußerst zufrieden. Er wollte, dass ich beim Diplomverleih als Sprecher des Jahrgangs auf der Bühne eine Rede halte. Es gibt auch eine Erfolgsenzyklopädie namens Club Carriere. Da habe ich auch einen Platz bekommen. Darauf war ich eigentlich auch stolz.

Neue Heimat Zeitung: Sicher haben Sie auch bei der Erfolgsenzyklopädie erwähnt, wie man erfolgreich wird. Wir wollen nun auch fragen, was ist Ihr Geheimnis zum Erfolg?

Kurt Adam: Zuerst muss man sich ganz konkrete Ziele setzen. Dann soll man Schritt für Schritt diesen Zielen näher kommen. Wenn man viel von sich opfern soll, um diese Ziele zu erreichen, muss man halt auch opfern. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, sich selber als jemanden, der seine Ziele erreicht hat, sehen zu können. Außerdem hat meine Bildung und Arbeitskarriere mir noch etwas gezeigt. Nämlich, dass das Lernen vom Alter vollkommen unabhängig ist. Wenn man erfolgreich sein will, wenn man etwas wirklich will, kann man es erreichen.

Neue Heimat Zeitung: Nun, Herr Kadioglu, wollen wir wissen, wie es überhaupt möglich ist, sowohl bei Ihrem eigenen Unternehmen zu arbeiten, als auch in 5 verschiedenen Studienrichtungen zu studieren. Ist das nicht extrem hart? Wie haben Sie sich überhaupt Zeit fürs Lernen geschafft?

Kurt Adam: Wenn ich Ihnen sage, dass das mir sehr einfach gelungen hat, würde kaum jemand daran glauben. Aber wie ich schon erwähnt habe, ich hatte konkrete Ziele im Kopf. Dafür habe ich alles, was ich kann, durchgesetzt. Mittags habe ich bei meiner Pizzeria gearbeitet und abends habe ich gelernt. So gingen die Arbeit und die Bildung gleichzeitig.

Neue Heimat Zeitung: Was für Pläne haben Sie für die Zukunft? Außer der zweiten Doktorarbeit?

Kurt Adam: Wenn ich mit meiner Doktorarbeit fertig bin, will ich bei den Nationalratswahlen in der Türkei für eine liberale Partei kandidieren.

Neue Heimat Zeitung: Es was wirklich faszinierend zu hören, was Sie alles erzählt haben. Wir sind von Ihrer Intelligenz, Entschlossenheit und Kraft ziemlich beeindruckt. Es war ein Vergnügen für uns, Sie kennen zu lernen. Wir hoffen, dass Sie mit Ihrer Intelligenz, Entschlossenheit und Fleiß ein Vorbild für die türkische Gesellschaft in Österreich werden.

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