Warum dreht sich Al capone WIEDER im Grab?

2.LESERBRIEF aus dem Jenseits an die Neue Heimat Zeitung von Al Capone

Liebe Neue Heimat Zeitung-Leserinnen und Leser,

Mein Name ist Alphonso Capone, vielen von Ihnen vielleicht besser bekannt als „Al Capone“ und laut amerikanischer Zeitung, einer der berüchtigtsten Verbrecher und Staatsfeinde Nr. 1, der 20er und 30er Jahren. Mein Name wird häufig auch im Zusammenhang mit der Geldwäsche und Steuerhinterziehung genannt und das nicht nur in Amerika, sonder auf der ganzen Welt. Sie können mich jederzeit auf dem römisch-katholischen Mount Carmel Friedhof in Illnois – einem Vorort von Chicago – besuchen kommen. Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen, da ich einen sehr großen Freizeitrahmen habe.

Genau vor einem Jahr habe ich meinen ersten Brief an die österreichische Zeitung „Einspruch“ senden müssen, weil ich wirklich die letzten Entwicklungen in Österreich im „Land der Berge, Land am Strome“, im „Land der angeblichen Networker und Lobbyisten“ und im „Land der Hochkulturen“ in der „eine Hand die andere wäscht“ nicht mehr verstehen kann. Ja, sogar ich kann dieses nicht verstehen! Ich meine, ich frage mich, wie kann eine Hand die andere waschen, wenn die eine Hand mit Blut, Schmutz und Hinterhältigkeit bis ins Unendliche verdreckt ist. Ich höre immer, dass angebliche Network-SpezialistInnen in Österreich Freunderlwirtschaflter“) breit lachen und sagen: „Eine Hand wäscht immer, überall und in jedem Fall, die andere Hand“. Deswegen erhebe ich, sogar ich, von dem Friedhof in Illinois aus, Einspruch, weil ich mich gerade im Grab umdrehe aufgrund der letzten Ereignisse bezüglich des angeblichen Ministers und seinen Freunden.

Ich weiß genau, wie man es schafft nach außen hin und für die Presse den Eindruck eines seriösen und gepflegten Geschäftsmannes zu machen und geschickt mit Anwälten, Politikern und der Polizei umzugehen. Ich begann bereits sehr früh damit mich als Kleinkrimineller in New York Jugendbanden zu beweisen. Die Polizei war für mich nie eine Bedrohung, nicht zuletzt, weil ihnen schlicht und einfach die Beweise fehlten mich hinter Gitter zu bringen. Ja, ja, ich war ziemlich raffiniert und schnell! Obwohl ich Ende der 1920er Jahre fast ganz Chicago unter meine Fittichen genommen hatte, die Unterwelt auf mein Kommando hörte und ich den amerikanischen Staat so geschickt ausnahm wie kein anderer, blieb es auch mir nicht erspart von der amerikanischen Steuerbehörde geprüft zu werden.

Schuld für meine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung waren eindeutig meine Anwälte und meine Buchhalter, die geheime Informationennach draußen trugen. Sie waren zu unfähig mich aus der ganzen Geschichte herauszuziehen und nahmen die vermeintliche Vereinbarung einer Strafmilderung bei sofortigem Schuldbekenntnis zu ernst. Ihnen fehlte eine Strategie und ich konnte nur dabei zusehen, wie sie mich in das offene Messer laufen ließen – das Ende meiner Gauner Karriere.. Ich wurde verurteilt, kam in ein Hochsicherheitsgefängnis nach dem anderen, wurde wegen guter Führung frühzeitig entlassen und starb schließlich im Beisein meiner Familie an einer Lungenentzündung, als Folge einer Syphilis-Erkrankung, die ich mir anscheinend in meinem Milieu zugezogen hatte – welch eine Ironie, nicht wahr? Und das alles für lächerliche 200.000 Dollar, die einzige Summe die sie mir als Steuerhinterziehung nachweisen konnten – obwohl es eigentlich um ein Vielfaches davon ging.  Doch obwohl ich nun den Löffel abgegeben habe – mein Geist ist höchst lebendig! Ich drehe mich in meinem Grabe um, seitdem ich gehört habe, was seit einiger Zeit in Österreich passiert. Und wenn ich mir die dubiosen Machenschaften rund um den Verkauf der fünf Bundeswohnbaugesellschaften im Jahr 2004 in Österreich genauer anschaue, wird mir klar, wie dumm ich damals war. Warum habe ich nicht im 21. Jahrhundert in Österreich gelebt? Hier ging es schließlich um weitaus höhere Geldsummen, als zu meiner Zeit und wahrscheinlich hätte ich nicht so viele Menschen für meine kriminellen Geschäfte umbringen müssen. Ich bedaure es sehr, sehen zu müssen, wie einfach es heutzutage sein kann, inoffizielle Geschäfte mit Politik, Wirtschaft, Networking und Lobbying zu machen.

Eine Clique von Freunderln rund um einen zwielichtigen Ex-Minister, so hat es den Anschein, nimmt den österreichischen Staat in bester Selbstbedienungsmanier aus, schreibt die österreichische Presse. Lesen Sie die Zeitschriften “Profil”, “Format”, “Falter”, etc. Ein grassierender Fall von Kleptokratentum?

Natürlich gelten für alle Akteure anfangs ausnahmslos die Unschuldsvermutung, doch die Tatsachen sprechen Bände: Zwei Freunde kassierten bei dem Deal, bei dem die bundeseigenen Wohnungsgesellschaften privatisiert wurden, horrende Provisionen. „Vermittlungshonorare“ für „sachkundige Analysen“ wie es nun offiziell heißt. Sie flossen ausgerechnet auf eine zypriotische Briefkastenfirma, dorthin also, wo man sein Geld in der Regel zielgerichtet hinschafft, will man es vor dem Zugriff des Staates schützen. Versteuert wurden die zehn Millionen Euro dann auch nicht.

Die Profiteure des Deals: Ein schillernder PR-Berater, der einst mit dem Minister geschäftlich verbunden war. Der Andere: Ein ehemaliger Tankstellenpächter und Trauzeuge des Ex-Ministers und österreichischer Ex-Politiker, der, ganz wie jener, erfolgreich den Aufstieg in die österreichische Busserl-Gesellschaft schaffte und heute in einem noblen Wiener Villenvorort residiert. Der Rechnungshof kritisierte später in einem Prüfbericht, dass die 62.000 Bundes-Wohnungen entschieden zu billig verscherbelt worden seien.  War der Gewinner im Bieterverfahren demnach auf Weisung des Ministers vorher festgelegt worden? Schiebung? Getrickse? Gaunerei? Betrug? Ganz genau, sagt nun der ins Zwielicht geratene ehemalige Minister.

Doch nicht der Staat ist aus seiner Sicht das Opfer, nein, weit gefehlt, sich SELBST sieht er, wie so oft, in der Opferrolle. In diesem Falle: Als Opfer seiner eigenen Freunderl-Partie. Seine feinen Freunde, argumentiert der in die Bredouille Geratene, hätten ihn augenscheinlich arglistig hinters Licht geführt, hinter seinem Rücken im Kontext des Immobiliengeschäfts ein krummes Ding gedreht.

Hätte ich es mir damals doch auch so leicht gemacht und wäre schlicht und einfach in die Opferrolle geschlüpft. Naja Zeiten ändern sich. Ich wurde wegen 200 000 Dollar Steuerhinterziehung ins Gefängnis gebracht. In Wien geht es um 10 Millionen Euro, eine unvorstellbare Summe.  Ein Kronzeuge aus seinem Ministerium hat nun ausgepackt – und belastet nicht nur den ehemaligen Minister schwer. Schweigegeld in sechsstelliger Höhe sei ihm damals geboten worden, so sagt der Zeuge, damit er das „abgekartete Spiel“ rund um das gefälschte Bieterverfahren nicht störe. Ist das ihre berühmte rechtstaatliche Demokratie? Im “Falter” sagt der ehemalige Tankstellenpächter, Ex- Politiker und jetziger Lobbyist, dass die Lobby-Gesetze in Österreich geändert werden müssen. Welche Gesetze sind das? Wo liegt die Grenze zwischen Volksinteresse und Politikern/Networkern?

Und der vormalige Minister? Es ist nicht das erste Mal, dass er in die Schlagzeilen gerät. Vor Jahren ließ er sich von der Industriellenvereinigung eine Homepage sponsern, die Zuwendungen wurden ebenfalls gekonnt am Fiskus vorbei gelenkt. Beim milliardenschweren Eurofighter-Deal, bei dem es vor Merkwürdigkeiten nur so wimmelte, spielte der stets braungebrannte High-Society-Liebling abermals eine dubiose Rolle, sein Name tauchte rund um den BAWAG-Skandal ebenso auf, wie beim Anlage-Desaster eines weiteren engen Freundes, der sich schillernd Julius V. nennt. Unterm Strich also: Kein handfester Skandal, der in den letzten Jahren ohne den Namen dieses Ex-Ministers ausgekommen wäre. Und jetzt die Geschichte mit den Bundeswohnungen.

Doch das passierte alles schon in der Vergangenheit, nun tauchten jedoch brisante Dokumente auf. Ich habe genug Zeit im Jenseits und kann deshalb alle top-aktuellen Zeitungen der Welt abrufen und lesen. Bitteschön, worum geht es zurzeit eigentlich? Ich lese aus dem Kurier: „Vor Kurzem wurden der Stadtzeitung Falter Protokolle von Telefonüberwachungen zugespielt, die Gespräche zwischen dem Ex-Minister und seinem Trauzeugen Walter Meischberger dokumentieren. So rief der verunsicherte Lobbyist in der Nacht des 1. Februar Grasser an, um sich mit ihm über ein 800.000-Euro-Honorar zu unterhalten, bei dem es ein Problem gab: Meischberger wusste nicht, wofür ihm ein Baukonzern das Geld überwiesen hatte. Wie soll ich das erklären?, so Meischberger sinngemäß – ihm stand eine Einvernahme bei der Polizei bevor.

Grassers Rat: Geh’ ins Internet und schau nach, wo der Baukonzern zuletzt gebaut hat – das könne dann der Anlass für Meischbergers gestellte Honorare sein. Je nach Lesart handelt es sich um die Absprache von Zeugenaussagen (Ermittler) oder den “harmlosen Rat unter Freunden” (Grassers Anwalt). Politisch pikant sind die Protokolle allemal. Zum einen dokumentieren sie, dass Meischberger, der während Grassers Amtszeit als Berater an der Privatisierung der BUWOG gut verdiente auffallend große Erinnerungslücken hat, worin seine Leistung eigentlich bestanden hat; zum anderen belegen die Aufzeichnungen, dass KHG – entgegen öffentlichen Erklärungen – auch nach dem Bekanntwerden von Meischbergers Machenschaften Kontakt zum Spezi hielt.“

Ich, Al Capone, habe gehört, dass es in Österreich strafbar ist, zu drucken solche Protokolle. Sogar im Jahre 1920, als ich verhaftet wurde, haben alle Zeitungen die Protokolle veröffentlicht. Ist das nicht ein Skandal? Wo bleibt die 4. Macht, die man Medien nennt, in Österreich? Wie soll die 4. Macht die 3 anderen Gewalten (Legislative, Exekutive, Judikative) im Namen des Volkes kontrollieren?

In Österreich ist das alles ein bisschen komisch. Die Gewaltenteilung der 3 Mächte sollte man einmal ganz genau unter die Lupe nehmen, ob sie in einer Inzest-Beziehung stehen. Auf jeden Fall versuchen die ersten 3 Kräfte mit der Wirtschaft zu alles Mögliche besitzen. Wie kann es sein, dass jemand ein Gewerbe besitzt, das verpflichtet ist, alles geheim zu halten (Bankgeheimnis), und ein weiteres Gewerbe besitzt, das verpflichtet ist, alle geheimen Dinge zu veröffentlichen.

In Österreich ist das Gang und Gebe. Niemand hinterfragt das. „Networken“ nennen sie das. Und genau da beginnt das Problem, glauben Sie mir, ich kenne mich sehr gut aus. Und das sind genau diese Leute, die sich als Patrioten, also als heimatsliebende Menschen, verkaufen. Die Frage ist, wie sie die Heimat lieben. Diese Leute vergewaltigen fast ihr eigenes Land und zwar nicht im Dunklen sondern an einem sehr hellen Tag in Grabennähe, nett in schicki-micki Lokalen mit den schönen Wörtern „eine Hand wäscht die andere“. Mein Gott, ich drehe mich im Grabe um.

Kann es also sein, dass ein ehemaliges Mitglied der österreichischen Bundesregierung ausgerechnet in meine Fußstapfen tritt – so scheint es jedenfalls. Soll ich mich dadurch etwa geehrt fühlen? So wie ich, ein nach außen hin smarter, überaus beliebter und dem Anschein nach seriöser Self-Made-Man, der womöglich mithalf, den Staat auszuplündern – zum Vorteil seiner zahlreichen Amigos, die er gekonnt und nachweislich in einflussreiche Positionen hievte? Ich frage Sie nun nochmal: Ist das ihre rechtstaatliche Demokratie? Muss man unbedingt immer einen Kompromiss finden, um die Gesetze zu hintergehen? Warum diese “Überangepasstheit”?

Ich musste mich für meine kriminellen Machenschaften vor der Justiz verantworten und büßte hinter Gittern. Man wird mir hoffentlich verzeihen. Aber ich glaube nicht daran! Ob sich die österreichische Justiz, nicht gerade für ihre Beißkraft bei Promis und Politikern bekannt, daran ein Beispiel nehmen wird? Man darf gespannt sein.

Ich halte Sie auf dem Laufenden über die neue Heimat Zeitung!

Al Capone.

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