„DIE NAZIS WOLLTEN UNS ANZÜNDEN“

Ismail Kaptan macht sich Sorgen um seine Sicherheit. Der in Österreich eingebürgerte türkischstämmige Fahrer lebt seit 21 Jahren in Wien. Am 5. März wurde versucht, seine Gemeindebauwohnung in Floridsdorf in Brand zu setzen. Die Täter waren angeblich Neonazis. Kaptan fordert, dass die zuständigen Behörden dagegen etwas unternehmen. Der Mann hat uns in unserem Büro besucht um ein Interview mit ihm zu machen.

Neue Heimat Zeitung  Herr Kaptan, können Sie uns erzählen, was an dem Tag der Tat geschehen ist?

Kaptan    Es geht eigentlich um 2 Fälle. Beim Ersten haben die Täter auf die Eingangstür der Wohnung Hakenkreuze gezeichnet. Dann haben Sie versucht, mein Postfach in Brand zu setzen.

Neue Heimat Zeitung – Um welche Täter geht es genau?

Kaptan – Das wissen wir nicht genau.  Nachdem sie Hakenkreuze zeichneten, gehe ich davon aus, dass sie Neonazis sind. Sie wollten auch meine Wohnung in Brand setzen.

Neue Heimat Zeitung – Wie haben sie das gemacht?

Kaptan – Am 5. März in der Nacht, gegen 23:30 Uhr, als ich mit meiner Familie in meiner Wohnung saß,  hatte ich plötzlich gemerkt, dass es verbrannt  riecht.  Ich bin zur Tür gelaufen und habe bemerkt, dass sie in Flammen aufgeht. Ich habe dann das Feuer gelöscht.  Ich sah ein brennendes Buch vor der Tür.  Das Feuer hat sich so verbreitet. Das war eigentlich der Moment, wo ich gemerkt habe, dass es dieselben Leute waren, die das Postfach anzünden wollten, und die das Hakenkreuz gezeichnet hatten. Dieser Angriff war vorsätzlich auf mich gerichtet. Es war ein wahrhaft schreckliches Erlebnis.

Neue Heimat Zeitung – Gibt es für den Fall irgendwelche Zeugen, oder irgendwelche Verdächtige?

Kaptan – Leider nicht. Die Nachbarn waren auch schockiert. Auf frischer Tat erwischte man diese Leute nicht. Die Polizei hat nach dem Ereignis einen jungen Mann festgenommen. Sie haben ein paar Tage vor dem Ereignis diesen Mann auch in der Nähe der Wohnung gesehen. Ich habe aber wirklich keine Ahnung, wer das gewesen ist. Mir ist völlig unklar warum jemand so etwas tut.

Neue Heimat Zeitung – Halten Sie selber irgendwelche Leute für verdächtig?

Kaptan – Mir fällt nichts Konkretes ein. Als wir eingezogen sind, hatte mein Sohn einige Streitigkeiten mit den Nachbarskindern. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass diese kleinen Streitigkeiten zwischen Kindern jemanden zu so einer Tat  verleiten können. Die Täter wollten uns  durch diese Tat in Brand setzten. Es ist eigentlich ein ganz schlimmes Gefühl für mich. Denn wenn ich wissen würde, wer das war, dann könnte ich mich dementsprechend verhalten  bzw. schützen.  Aber wenn man mit einem potentiellen Mörder konfrontiert wird, über den ich fast nichts weiß, dann ist diese Ungewissheit für mich und meine Familie wirklich ein großer Grund der für Stress und Unruhe sorgt.

Neue Heimat Zeitung – Was haben Sie dagegen getan oder haben Sie bereits einige Stellen kontaktiert?

Kaptan  Ja natürlich. Ich habe die zuständigen Behörden kontaktiert. Es war für mich unfassbar, als sie mir gesagt hatten, dass diese Attacken keinen unmittelbaren Grund für einen Umzug darstellen. Ich habe denen gesagt, dass mein Leib und Leben unter Gefahr steht. Ich will von dem 21. Bezirk einfach ausziehen. Denn meine Wohnung ist bei diesen Rassisten schon bekannt. In den Magisträten und öffentlichen Ämtern arbeiten sehr viele türkischstämmige Beamten. Durch Ihre Zeitung sage ich denen: Bitte helfen Sie mir und meine Familie.

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