SPÖ Marcus Schober: „Bildung für alle. Bildung integriert und öffnet die Tore zur Welt.“

Marcus Schober, Bildungssekretärs der SPÖ Wien, zu Besuch bei der Neuen Heimat Zeitung (Yeni Vatan Gazetesi). Mag. Marcus Schober ist seit 2007 bis heute nicht nur Bildungssekretär, sondern auch Landesabgeordneter und Gemeinderat der Stadt Wien und möchte, dass in Wien alle Menschen, egal welcher Abstammung, eine gute Bildung erhalten. Er kandidiert bei der Wahl am 11. Oktober wieder als Gemeinderat für den 3. Bezirk.

Neue Heimat Zeitung (Yeni Vatan): Vielen Dank für den netten Besuch lieber Herr Schober. Hoffentlich schmeckt Ihnen unser Kaffee. Ein türkisches Sprichwort sagt: Eine Tasse Kaffee bindet das Herz für 40 Jahre. Als Bildungssekretär der SPÖ haben Sie sicherlich über Bildung sehr viel zu sagen. Wie wichtig ist es gerade in der Stadt Wien gut ausgebildet zu sein?
Marcus Schober: Vielen herzlichen Dank für den netten Empfang. Das ist ein schönes Sprichwort mit dem Kaffe. In Wien sagt man beim Reden kommen die Leut zam. Beim Reden bei einem Kaffee finden wir dann die besten Lösungen. In der Neuen Heimat Zeitung (Yeni Vatan) und Neue Welt Verlag mit den vielen selber herausgegebenen Büchern fühlt man sich wie in einer Oase der Bildung. Gleichheit, Solidarität, Freiheit und Wertfreiheit sind sehr wichtige Werte, die ich als Bildungssekretär nicht nur vermitteln will, sondern die ich auch verteidige. Wir möchten, dass in unserer schönen Stadt Wien alle Menschen die Möglichkeit haben sich zu bilden. Nicht nur durch’s Reden kommen die Leute zusammen, sondern auch durch Bildung. Bildung ist die beste Möglichkeit das Leben konstruktiv und zielführend für sich und seine Familie, seine Umgebung und für die Gesellschaft wertvoller zu gestalten. Für jeden Bürger sollte deshalb Bildung offen und möglich sein. Jeder Mensch in Wien ist für mich und auch für meine Partei sehr wichtig. Für mich ist es auch wichtig, dass sich jeder in Wien zuhause fühlt und die Werte der Demokratie, Gleichheit, Wertfreiheit, Solidarität und natürlich unserer Verfassung beherzt.

NHZ: Ihre Heimat ist der dritte Bezirk. Was ist für Sie wichtig in Ihrem Heimatbezirk Landstraße?
Marcus Schober: Ganz wichtig ist mir, dass die Landstraße weiterhin lebenswert und vor allem auch leistbar für die Bewohner und BewohnerInnen bleibt. Ebenso wichtig ist mir die Gesundheitsversorgung und auch die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Möglichkeit so schnell wie möglich von A nach B zu kommen. Aber das Wichtigste ist, dass man mit den Menschen in Kontakt ist, auch mit den jungen Menschen, denn sie sind die Zukunft des Bezirks. Und das allerwichtigste in der Politik ist, wie ich bereits erwähnt habe: Beim Reden kommen die Leut zam und beim Reden findet man die besten Lösungen!

NHZ: Was bedeutet für Sie im 21. Jahrhundert Bildung?
Marcus Schober: Spontan kann ich eines sagen: Alle Menschen in Wien, egal woher sie stammen, können sich ohne Bildung an die Schnittstelle des 21. Jahrhunderts nicht mehr anpassen. Deshalb bekommt jeder in Wien die nötigen Werkzeuge für eine gute Bildung bereitgestellt, damit man in dieser Stadt ein leichtes und freies Leben führen kann. Die Stadt Wien bietet eine 100-jährige sozialdemokratische Stadtregierung, für die ich persönlich auch dankbar bin, weil ich in der Stadt vom Kindergarten bis zum Universitätsabschluss kostenlos Bildung erhalten habe. Es ist einmalig und deswegen empfehle ich allen sich bewusst zu werden, dass es nichts Selbstverständliches ist und dass man selbst und die Kinder davon Gebrauch machen sollen. Die Stadt wünscht sich, dass von den sozialen Bildung-Leistungen Gebrauch gemacht wird.

NHZ: Man sagt Wirtschaft integriert.
Marcus Schober: Wirtschaft integriert. Das ist korrekt, aber wir sollten davor den Satz: Bildung integriert und öffnet die Tore zur Welt und Wirtschaft, durch die man sich mithilfe von Bildung besser integrieren kann. Deswegen empfehle ich allen LeserInnen der Neuen Heimat Zeitung in der Stadt Wien diese kostenlose Bildung, die auch eine der besten der Welt ist, auszunützen und ihre Kinder gut ausbilden zu lassen. Wir brauchen gebildete Menschen, die sich einen Beruf aneignen, damit sie für die Gesellschaft, Wirtschaft und für die Menschen etwas produzieren und als Menschen glücklicher und unabhängiger werden. Bildung ist der Schlüssel für Integration und Erfolg. Bildung sollte lebenslang weiter gehen. Für jeden Menschen egal woher er stammt und wie alt er ist.

NHZ: Sie haben einen sehr interessanten Artikel mit dem Titel: „Die Bildungsorganisation der digitalen Zukunft angesichts der COVID-19-Krise am Beispiel der Wiener Bildungsakademie“ zusammengefasst. In diesem 10-seitigen Artikel bekommt man einen guten Überblick wie sich die Wiener Bildungsakademie an die Zeit angepasst hat. Man sieht, dass die Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie untrennbar mit dem Begriff der Bildung verbunden ist. Wie hat sich die Wiener Akademie an die Corona Zeit angepasst?
Marcus Schober: Es war ab 16. März 2020 eine große Überraschung und nur durch Bildung und Wissen haben wir uns so schnell an die Corona Zeit angepasst. In der  „Die Bildungsorganisation der digitalen Zukunft angesichts der COVID-19-Krise am Beispiel der Wiener Bildungsakademie“ habe ich versucht mit 10 Seiten einen Überblick über die Sozialdemokratie in Wien den letzten 130 Jahren zu geben und auszudrücken wie die österreichische Sozialdemokratie untrennbar mit dem Begriff der Bildung verbunden ist. Das größte Kapitel der Sozialdemokratie ist Bildung.

NHZ: Können Sie bitte einen Überblick geben?
Marcus Schober: Sehr gerne. Vor über 130 Jahren konstituierte sich die österreichische Arbeiterklasse noch vor dem Gründungsprogramm von Hainfeld um die Jahre 1888-1889 als analoge Bildungsbewegung. Also vor 130 Jahren ging es darum, die bürgerliche und proletarische Bildung anzunähern und allen Menschen ein egalitäres Bildungsniveau zu garantieren. Eine egalitäre Gesellschaft bezeichnet eine Gesellschaft, bei der grundsätzlich alle Menschen den gleichen Zugang zu den zentralen Ressourcen wie der Stadt Wien durch die Sozialdemokratischen Politik haben und kein Mitglied dauerhaft Macht über Andere ausüben kann. Die ersten Fernlehrgänge fanden eben nicht in der digitalen Onlinewelt statt, sondern mit Hilfe von analogen Ordnern, die postalisch verschickt wurden. Mit der Digitalisierung haben sich gerade auch die Bildungswege enorm geändert.

NHZ: Welche Veränderungen meinen sie?
Marcus Schober: Alle bisherigen Konzepte der Bildungsakademie waren mit dem Beginn der Corona-Krise von einem auf den anderen Tag hinfällig. Das gesamte Bildungsangebot war zur Gänze auf analoge Veranstaltungen ausgerichtet. Kurze Verzweiflung machte sich in der Wiener Bildungsakademie breit, doch ab dem 15. März 2020 konnte die Akademie auf digitale Beine gestellt werden. Dadurch, dass alle beteiligten Institutionen bis dahin einen großen Bogen um Themen wie Digitalisierung, Social Media oder Distant Learning gemacht haben, mussten schnell Entscheidungen getroffen werden, um das gesamte Programm zu digitalisieren. Wir sind sehr erfolgreich unterwegs, weil wir gebildet waren und uns an die Zeit angepasst haben.

NHZ: Wie geht es mit Wien und Österreich, nach dem großen Wirtschaftseinbruch durch die Corona Krise, weiter?
Marcus Schober: Wir stecken mitten in einer der größten Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte. Ernsthaftigkeit ist angesagt, nicht wahltaktisches Handeln! Unternehmen bauen große Teile ihrer Belegschaft ab. Viele kleine und mittlere Unternehmen liegen schon auf dem Boden. Von der Gastronomie, insbesondere der Nachtgastronomie, gar nicht zu sprechen. Es häufen sich bei Mieterschutzvereinigungen die Anrufe von verzweifelten MieterInnen, die von der Bundesregierung nur bis vergangenen Juni vor Delogierungen geschützt waren und nun um ihr Zuhause zittern müssen. Es droht Massenarbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und langfristige Perspektivenlosigkeit. Und was tut gerade die Bundesregierung dagegen? Eine schlecht vorbereitete Corona-Chaos-Ampel vorstellen, die schon wieder obsolet ist. Die Krise ist viel zu ernst und wird Auswirkungen auf viele Bereiche haben, die noch gar nicht abzuschätzen sind. Insbesondere Finanzminister Blümel sollte sich mit vollem Einsatz der Abfederung der Wirtschaftskrise in Österreich widmen, anstatt die Energie dafür zu verwenden, Wien schlecht zu reden!

NHZ: Vielen Dank für die Rundreise von der Landstraße zum digitalen Zeitalter der Bildung.
Marcus Schober: Ich danke Ihnen herzlich und wünschen Ihren Leserinnen besonders in der Stadt Wien ein bildungsreiches Leben für sich und ihre Kinder. Ohne Bildung sind wir verloren und haben wir auch als Gesellschaft verloren. Wir wollen für das Gemeinwohl gewinnen, deswegen Bildung, Bildung, Bildung. Die Stadt Wien bietet mithilfe der Sozialdemokratie alles. Nützen wir das bitte. Alles Gute.

Link:

„Die Bildungsorganisation der digitalen Zukunft angesichts der COVID-19-Krise am Beispiel der Wiener Bildungsakademie“-Marcus Schober

https://journals.univie.ac.at/index.php/mp/article/view/3805/3545

https://www.spoe.wien/personen/marcus-schober/

https://www.facebook.com/Marcus.F.Schober/

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