Ludwig folgt Michael Häupl als Wiener SPÖ-Chef nach

Michael Ludwig ist neuer Vorsitzender der Wiener SPÖ. Der 56-jährige Wohnbaustadtrat wurde beim Landesparteitag am Samstag mit 57 Prozent gewählt.

Wien.Das Ergebnis fiel deutlich klarer aus, als es manche erwartet hatten. Gegen 15.30 Uhr verkündete Mandatar Ian Kai Krainer das Resultat: 57 Prozent der knapp 1000 Delegierten hatten für Wohnbaustadtrat Michael Ludwig als neuem Wiener SP-Landeschef votiert, 43 Prozent für den geschäftsführenden Klubobmann Andreas Schieder.

Ludwig dankte für den Vertrauensvorschuss.  „All jenen, die mich heute nicht gewählt haben, reiche ich die Hand“, sagte der Gewinner.“ Ab heute gibt es nur noch eine Partei, ein geschlossenes Auftreten.“

Die Einheit der Partei hatte sich schon zuvor durch alle Reden gezogen. Die unterlegene Fraktion solle verstehen, dass man sich einordnen müsse, sagte Erstredner und SP-Chef Christian Kern. Auch der scheidende Wiener SP-Vorsitzende Michael Häupl appellierte an die Eintracht. „Wenn diese Wahl vorüber ist, gibt es einen neuen Chef, und hinter dem stehen wir alle“, sagte er. Häupl hatte auf eine Wahlempfehlung verzichtet. Der Abschlussapplaus war nach der rund 40-minütigen Rede überwältigend. Wie bei einem Schauspielstar wurde solange geklatscht, bis Häupl nochmals die Bühne betrat.

Ludwig will „allen die Hand reichen“

Ludwig bedankte sich in einer kurzen Rede nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses bei seinen Unterstützern. Er wolle „auch all jenen, die mich heute nicht gewählt haben, die Hand reichen“, so Ludwig. „Ich möchte die Gelegenheit nützen, mich ganz ehrlich zu bedanken für euer Vertrauen, das ich auch als Vertrauensvorschuss empfinde“, sagte Ludwig. Auch Schieder dankte er für die „gute Zusammenarbeit“

Ludwig präsentierte sich in seiner Rede stärker als Kommunalpolitiker, dem es um das Wachstum der Stadt, den Ausbau der Digitalisierung und das Miteinander gehe. Schieder setzte stark auf die Abgrenzung zu Schwarz-Blau.

“Ich will das Wir-Gefühl haben. Mir ist wichtig, dass wir keine Stadt der zwei Geschwindigkeiten sind. Alle Menschen sollen vom Wachstum profitieren”, sagte Ludwig. “Passt’s auf, dass es die Partei nicht zerreißt”, mahnte Schieder ein. Der Klubobmann warnte vor der sozialen Spaltungspolitik der neuen Regierung und versprach, die Absolute für die Wiener SPÖ anzustreben.

Häupl- Ehrenvorsitzender

Wie im Vorfeld bereits angekündigt, stellte er außerdem den Antrag – der mit großem Applaus angenommen wurde – dass Michael Häupl Ehrenvorsitzender der Partei sein solle. “Damit verbinde ich auch den Wunsch, dass du uns auch in Zukunft unterstützen wirst und wir weiterhin gut zusammenarbeiten”, sagte Ludwig. Danach folgte die offizielle Verabschiedung Häupls. Als Geschenk der Wiener Landespartei: Ein Lied, geschrieben vom Wiener Musiker Ernst Molden, das dieser sogleich mit seinen Kollegen Walther Soyka und Hannes Wirth live auf der Bühne spielte.

 “Was würden wir jetzt in einer rot-blauen Regierung machen?”

Landesparteisekretärin Sybille Straubinger hatte in der Früh bei ihrer Begrüßung von einem “historischen Tag” gesprochen. Im Anschluss lobte Bundesparteivorsitzender Christian Kern den Langzeitbürgermeister und -landesparteichef, bevor dieser das Wort ergriff. Der Applaus und die Standing Ovations bei Häupls Abschiedsrede dauerten Minuten lang. Immer wieder musste er nach der Rede auf die Bühne. Sichtlich gerührt, auch wenn das keine Überraschung sein konnte – was auch für den Inhalt von weiten Strecken seiner Ansprache Häupls, bei der er kaum auf die beiden Kandidaten und die anstehende Wahl einging.

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